Die Windward Islands

Anreiseinformationen

Die Air France bringt einen täglich über Paris Charles de Gaulle nach Fort-de-France. Hohe Luftfeuchtigkeit und knapp dreißig Grad erwarten uns in Martinique. Bevor es in die Bucht und den Yachthafen von Le Marin geht, verbringen wir die erste Nacht in der Hauptstadt der Insel. Streng genommen handelt es sich eher um den wichtigsten Ort von Martinique, als ein französisches Übersee-Département somit als chef-lieu bezeichnet. Es handelt sich um die größte Stadt der kleinen Antillen, die wiederum in die Leeward und Windward Islands aufgeteilt werden. Unsere Reise führt uns an die südliche Grenze der kleinen Antillen, die sich bis nach Grenada erstrecken.

Die erste Nacht verbringe ich gerne direkt in Fort-de-France. Der letzte Bus ist um 18:30 Uhr leider schon weg, aber mit ein paar Mitreisenden geht es per Taxi zum Place de la Savane. Dieser ist das Herzstück vom chef-lieu mit Gelegenheiten zum Abendessen und zum Genießen von unterschiedlichen musikalischen Darbietungen. So lässt sich hervorragend in die karibische Lebensart eintauchen. Weiterer Vorteil: Die über 30 Kilometer zum Hafen Le Marin gehen per Taxi deutlich stärker auf den Geldbeutel. Je nach Verhandlungsgeschick kann man dafür zwischen 120 und 200 Euro berappen.

Ich bevorzuge die Route mit dem Bus. Am Samstagmorgen geht es erst mit dem Stadtbus Linie B von der Station Caraibes westlich des Place de la Savane nach Mahault. Buchen lässt sich ein Ticket über die App Martinique Mobilites, die Sprache der App ist sogar deutsch. Von dort fährt die Buslinie EXP3 ein kurzes Stück nach Le Lamentin, bevor der nächste Bus EXP1 direkt nach Le Marin fährt. Insgesamt dauert der Trip 2 Stunden, aber man kann von sich behaupten, sich außerhalb der Touristenpfade zu bewegen. Größtenteils begegnen wir Einheimischen. Ich liebe sie dafür, dass man bei der Frage, ob dies hier der richtige Bussteig ist, kein oui oder non, sondern hilfsbereit so ausführliche Hinweise erhält, die meine Französischkenntnisse sprengen. Lächeln inklusive!

Noch ein kleiner Fußmarsch zum Hafen und schon ist man in dem Charterbüro von VPM Bestsail. Dabei geht es vorbei an den bewundernswerten Seglern der traditionellen Yole Ronde Boote. Fast 20 Minuten bestaune ich, wie die Boote fahrtüchtig gemacht und akrobatisch an den Holzauslegern ins tiefere Wasser gezerrt werden.

Yole Ronde Martinique
Yole Ronde Martinique

Hafen Le Marin auf Martinique

Vom Anlegesteg, praktischerweise nutzt VPM Bestsail gleich den ersten: Yachten, so weit das Auge blickt. Zu dieser Zeit befinden sich deutlich über 1.500 Schiffe an diesem Ort, die meisten ankern in dem weitläufigen Areal oder liegen an einer Boje, an den Stegen der Marina haben 800 Yachten Platz. Dort befindet sich auch unser Charter-Katamaran, eine Lagoon 42.

Die Übergabe erfolgt überraschend unkompliziert, da für das Charterunternehmen VPM Bestsail ein deutschsprachiger Flottenmanager tätig ist. Nach den Einkäufen im nur bedingt nahe gelegenen Supermarkt, der keine Wünsche offenlässt und einer interessanten Tour mit den vollgepackten Einkaufswagen sind wir für die nächsten Tage gerüstet.

Die obligatorische Sicherheits- und Schiffseinweisung erledigen wir am folgenden Morgen. Wenn die Sonne in der Karibik hinter dem Horizont verschwindet, wird es schlagartig dunkel, sodass wir den Abend lieber in einem Restaurant ausklingen lassen. Leider hat im Dezember 2025 die Bar Le Mango Bay geschlossen. Sehr schade, fand dort doch noch im letzten Jahr freitags das Treffen der deutschen Segler und Auswanderer statt. Aber auch ansonsten gibt es einige Restaurants, bei denen man vorab eine Reservierung vornehmen sollte, gerade für größere Crews.

Den Einkauf erledigen wir im „fast“ nahe gelegenen Auchan. Ja, mit mehreren Einkaufswagen quer durch die Marina zu laufen kann unangenehm sein, aber auch großen Spaß bereiten. Einstellungssache!

Um 09:00 Uhr sind wir am Steg des kleinen Büros zum Ausklarieren, welches sich in dem Tankstellengebäude befindet. Gute Vorbereitung ist mehr als empfehlenswert. Die französische Tastatur ist doch deutlich anders als die gewohnte deutsche. Vorab kann man aber fast alle Daten erfassen und muss nur noch die Deklaration ausdrucken. Wie das geht, habe ich ausführlich im Clearance Document beschrieben, welches hier heruntergeladen werden kann. Nach der Zahlung der fünf Euro kann es nun heißen: Leinen los!

VPM Bestsail Charter
VPM Bestsail Charter
Timo von VPM Bestsail Charter

Telefon: +1 (596) 696-335224

Timo (rechts im Bild) ist einer der hilfsbereitesten Personen, denen ich auf meinen vielen Reisen bei der Yachtübernahme begegnen durfte. Immer ansprechbereit, immer einen Tipp parat - besser kann eine Übergabe nicht laufen. Noch besser ist, wenn auch die Rückgabe des Schiffes partnerschaftlich abläuft. Und das ist bei ihm der Fall.

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St. Lucia

Das erste Ziel ist die Rodney Bay auf St. Lucia. Die Ausfahrt aus Le Marin sollte man sich vorher genauer ansehen, das IALA-System der Betonnung ist Region B. Das bedeutet, dass die Tonnen an backbord beim Auslaufen die roten sind. Zumal zwischen der Tonne MA7 und MA5 eine Untiefentonne West mitten im Fahrwasser steht. Nach dem Passieren der riesigen Ankerbucht von Sante Anne und dort liegenden unzähligen Schiffen geht es in den Canal de la Martinique. Nach der Landabdeckung pustet es ordentlich, 20 Knoten aufwärts sind üblich und bringen aus Halbwind mit Tendenz zu raumschots schnell nach Rodney Bay. Sehr komfortabel, zurück wird das etwas anders aussehen. Eine tolle Strecke, um sich an das karibische Meer zu gewöhnen, die Distanz ist nicht so groß. Am frühen Nachmittag machen wir uns mit dem Dinghi zu dem schön eingerichteten Hafen zum Einklarieren, nachdem wir den Anker nördlich von Gros Ilet auf 5m haben fallen lassen.

Wie sich am nächsten Morgen zeigt, keine gute Idee. Beim Einfahren des Ankers ist schon aufgefallen, dass er anfangs nicht greifen wollte. Als er sich dann stabil gezeigt hatte und auch bei 30ktn Wind keinen Millimeter zurückgewichen ist, habe ich schon geahnt, was das bedeutet. Wir bekommen den Anker nicht los. Als wir uns das Dilemma ansehen, den Grund kann man nicht schauen, das Wasser ist fast überall auf unserer Strecke eher trübe, sehen wir, dass ein kapitaler Betonblock am Anker hängt. Das die Ankerwinsch das mehr oder weniger klaglos hingenommen hat, beeindruckt mich. Schnell lassen wir die Kette drei Meter fallen und ziehen sofort wieder an. Glück gehabt, diesmal kommt der Anker ohne Probleme hoch. Im letzten Jahr habe ich südlich der Einfahrt zur Marina geankert und hatte dort deutlich besseren Halt.

Rodney Bay St. Lucia
Rodney Bay St. Lucia

Mich beschäftigt auf so einer Reise doch immer wieder das Ein- und Ausklarieren. Zum Ausklarieren fällt meine Wahl auf Soufriére. Eine schöne Tagesetappe entlang der westlichen Küste von St. Lucia sind wir am Wahrzeichen dieser Insel angelangt, den beiden Pitons. Und zwischen den beiden lassen wir uns eine Boje zuweisen. Dabei gilt es zwei Rechnungen zu begleichen: Die des Boat Boys, der einem beim Festmachen hilft und die der St. Lucia Marine Management Authority (SMMA), die die eigentlichen Liegegebühren berechnen. Verlassen kann man sich darauf, dass man von den Boat Boys gleich noch ein Barbecue angeboten bekommt. Was soll’s, wir lassen uns darauf ein, werden mit einem Schnellboot abgeholt und laufen noch ein paar Meter durch Soufriére. Dort ist kein Tourist mehr unterwegs und wir sehen mal ganz authentisch, wie das Leben dort abläuft. Das Barbecue ist in Ordnung, dazu kommt noch die Bitte, etwas für die Familie abzuzwacken und andere kleine Fragen. So läuft es halt. Und wenn man es nicht als Abzocke betrachtet, sondern sich bewusst ist, welch finanzielle Privilegien man besitzt, kann es einen sogar glücklich machen.

Am nächsten Morgen werden wir wieder abgeholt, um in der Police Office die Ausreisestempel für die Reisepässe z erhalten. Das Büro ist zu, nur ein paar Wartende zu sehen. Und Einheimische, die sich ebenfalls eingefunden haben. Nach einer halben Stunde bekomme ich von jemanden ein Telefon gereicht und spreche mit dem Officer. Nachdem ich ihm geschildert habe, was wir vorhaben, heißt es irgendwann „you can go“. Wirklich? „Yes, you can go“. Wer mir das Telefon gereicht hat, ob der Officer wirklich der Richtige war - keine Ahnung! Aber wir machen uns los.

Auch beim Zurückbringen wird aus dem mit karibischen oder us-Dollar verhandelten Preis noch der Wunsch nach Zusatzzahlung wegen des Wartens. Ich habe einige Trikots der deutschen Nationalmannschaft der einzelnen Turniere dabei, die ich zu Hause nicht trage. Und diese Fußballtrikots erfreuen sich hier größter Beliebtheit. Schon können wir das Portemonnaie stecken lassen und zaubern ein Lächeln.

Pitons St. Lucia
Pitons St. Lucia
Jahleel

Telefon: +1 (758) 726-0904

Jahleel guided tours and Yachtservice kümmert sich um die Organisation von Rundreisen auf St. Lucia und steht mit Dir mit Rat und Tat zur Verfügung. Was es auf den Touren zu sehen gibt, hat er hier auf einem Flyer dargestellt.

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Damit die Eindrücke von St. Lucia vollständig erzählt werden, verlassen ich die chronologische Dokumentation und stelle Euch weitere empfehlenswerte Orte vor, die wir auf der Rückreise von St. Vincent besucht haben. Möchtest Du die Tour weiterverfolgen, geht es hier zur Überfahrt nach St. Vincent.

St. Lucia, Teil 2 - Die Rückkehr

Unser Ziel ist die Laborie Bay. Wie genannt auf der gewöhnlichen Reiseroute außer acht gelassen, aber die Einfahrt in die Bucht mit ihren Riffen und der falschen Dokumentation auf Seekarte und Navionics sind ein besonderes Abenteuer. John Junior holt uns wie im letzten Jahr mit seinem Boot ab und manövriert uns durch die Bay an unsere Boje, eine von zweien, die dort festgemacht sind. Im letzten Jahr noch in einem besorgniserregend schlecht aufgepumpten Schlauchboot, nimmt er uns nun mit einem ordentlichen Motorboot in Empfang. Auch einen Trainee hat er an Bord. Die Geschäfte scheinen zu laufen. Er erzählt uns, dass der Ort einen kleinen Aufschwung durch den Tourismus erfährt. Aber noch immer eine echte Perle und Entdeckung. Der Landgang führt uns in das Restaurant von Mama Tilly. Und noch immer äußerst ursprünglich, wenig Komfort, kein Luxus. Das ist für mich der wahre Luxus.

Vorher noch ein absoluter Geheimtipp: Am Anlegesteg gibt es einen gut versteckten Wasserhahn. Wir füllen nochmals unsere Wasservorräte auf und ich gebe John Junior ein angemessenes Salär. Ich gehe zwar davon aus, dass er selbst dieses Wasser nicht zahlt, aber er ist 20 Minuten mit uns an Bord und hält den Wasserschlauch.

John Junior

Telefon: +1 (758) 729-0628

Vor der Einfahrt unbedingt Junior kontaktieren, damit er durch die Riffe lotsen kann. Er weist einem dann einen seiner Bojen zu, die man vorab telefonisch reservieren sollte. Er kümmert sich um die Versorgung oder auch einen Tisch bei Mama Tilly, die einen so richtig in das karibische Leben und einem tollen selbstgemachten Rum eintauchen lässt.

Ein außergewöhnliches Erlebnis, nicht verpassen!

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Ein Muss auf St. Lucia ist ein Besuch der Marigot Bay. Das berühmte Original des Hotels aus dem Filmmusical Dr. Dolittle von 1967 ist dort zu bewundern. Die Einfahrt und die Kulisse dort ist traumhaft. Auch kann man dort die Einklarierung vornehmen. Die Hafenanlage ist angenehm, auch wenn sich dort viele Amerikaner aufhalten und das Flair beeinträchtigen. Von dort ist es auch möglich, einen Tagesausflug zu organisieren, angesprochen wird man darauf von den den Boat Boys genug.

Vermutlich wird Euch dort auch Nikolaus beehren. Zumindest in der Vorweihnachtszeit kommt er auf einem Standup voll mit Obst angepaddelt und erzählt lächelnd, er heißt Nikolaus. Ausreichend deutsche Wörter kennt er, um mit uns in den Kontakt zu treten. Man kommt kaum umhin, diesem liebenswerten Menschen etwas abzukaufen.

Tagsüber ist die Bay sehr belebt. Viele Taxiboote sind unterwegs, um Gäste auf den kleinen Strand mit Bar zu bringen. Hat man einen Liegeplatz vor dem Hafen, was ich aufgrund der kurzen Wege empfehlen möchte, kann man auch zu dem Strand schwimmen und einen Sundowner genießen.

Darüber hinaus haben wir hier mit Imbart +1 (758) 726 - 1401 einen Techniker gefunden, der unsere defekte Wasserpumpe reparieren konnte. Er hat sich sehr bemüht und ist kostengünstig.

St. Vincent

Nach dem Ablegen bekommen wir die Strömung, besser die Strudel um die südwestliche Seite St. Lucias zu spüren, aber auch zu sehen. Unheimlich sieht es aus, wenn sich der Anblick des Wassers so stark ändert und man hindurchfährt. Nach der Landabdeckung geht es zügig zur Hauptinsel St. Vincent, die noch ursprünglicher und wilder daherkommt als St. Lucia. Die Überfahrt ist wiederum entspannt, nur lassen sich diesmal leider keine Delfine oder Wale blicken. Im Vorjahr konnten wir zwei mal junge Pottwale beobachten, die an uns vorbeigeschwommen sind, ein eindrucksvolles Naturerlebnis. Selbst die Delfine waren uns diesmal nicht gewogen.

Die Boat Boys fangen einen schon früh vor dem angestrebten Ziel ab und wollen einem zu den Ankerspots locken. Auf meinen Hinweis, dass ich mit Zico bereits eine Vereinbarung getroffen und einen Liegeplatz habe, bekomme ich die Antwort, er sei Zico. Netter Versuch… So schnell vergesse ich ein Gesicht aus dem Vorjahr auch nicht.

Auch zwei andere Boat Boys bewegen sich schon an der Grenze zur Unverschämtheit und sind etwas lästig. Hier gilt es, Fingerspitzengefühl walten zu lassen. Etwas, was sicher für Ärger sorgt: Sie ungefragt zu fotografieren. Diese Erfahrung haben wir auch schon in der Rodney Bay gemacht, als die Crew das toll aufgemachte Boot eines Früchteverkäufers fotografiert hat, ohne etwas zu erwerben.

St. Vincent fühlt sich urtümlicher an, wilder als St. Lucia. Daher ist es erleichternd, mit der Keartons Bay einen sicheren Anlegeplatz an zwei Bojen zu haben. Und zu wissen, dass Zico schon bereit ist, uns in Empfang zu nehmen.

Keartons Bay St. Vincent
Keartons Bay St. Vincent

In der Keatons Bay neben der berühmten Wallilabou Bay, in der einige Aufnahmen von „Fluch der Karibik“ gedreht wurden, verzurren wir mithilfe von Zico unseren Katamaran und gehen kurze Zeit später nach einem Schnorchelausflug an Land. Seine Mutter tischt uns wieder karibische Spezialitäten in ihrem Haus auf. Ich erhalte ein Armband der Labour Partei, ein rotes party wristband. Ohne mir über die politischen Umstände weiter Gedanken zu machen, trage ich es auf der folgenden Reise. Zumindest einen Tag.

Hier geht es weiter in die Grenadines, ansonsten folgt ein kurzer Bericht über die Rückreise St. Vincent.

Zico Keartons Bay St. Vincent
Zico Keartons Bay St. Vincent
Zico

Telefon: +1 (784) 491-9608

Zico hilft Dir, einen sicheren Liegeplatz zu finden, bietet Dir im Haus seiner Mutter ein tolles authentisches karibisches Abendessen zum kleinen Preis und kümmert sich um alles, was man benötigt. Selbst einen Termin zum Klarieren in der Wallilaboy Bay stellt er sicher.

Sensationell!

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Auch hier, um den Bericht von der Hauptinsel St. Vincent zu komplettieren, die Eindrücke von der Rückreise. Diesmal machen wir keinen Stopp auf St. Vincent. Und da unser Ziel auf St. Lucia mit der Laborie Bay relativ weit östlich liegt, wagen wir die Passage an der Ostseite. Ein gefühltes Abenteuer. Hier spürt man die ungebremste Kraft des Atlantiks, die Küste ist teilweise auf der Seekarte undokumentiert, so etwas begegnet einem in Europa nicht. Wir halten Abstand, die Wassertiefe steigt aber selten über 20 - 30 Meter an. Ganz allein sind wir unterwegs, die üblichen Routengänger sind alle in Landabdeckung zu finden. Ich fühle mich, als entdecke ich bisher unbekanntes Land, dabei fahren wir mit Georgetown nicht gerade an einem kleinen Dorf vorbei.

Erwartungsgemäß ist vor allem in dem St. Vincent Channel die Welle sehr unangenehm. Zu früh wollen wir nicht abfallen, um ausreichenden Abstand zum Land zu wahren. Der Wind, der schon in der westlichen Abdeckung der Insel schwach zu sein scheint, ist auch für unsere Fahrt gerade so ausreichend. Und wir erleben hautnah, dass es auch auf der Luvseite einer Insel eine Abdeckung, besser noch einen abgebremsten Wind gibt.

Nachdem wir St. Vincent verlassen, ist trotz einiger Regengebiete St. Lucia am Horizont zu erkennen. Natürlich fangen wir uns noch einen ordentlichen Schauer ein.

St. Vincent Seekarte Ostseite
St. Vincent Seekarte Ostseite
Vesselfinder St. Vincent
Vesselfinder St. Vincent

The Grenadines

Da wir in der Keartons Bay nicht einklariert haben (eine Möglichkeit hätte es in der Wallilabou Bay gegeben. Dies ist mir aber im letzten Jahr nicht gelungen, sodass ich auf einen weiteren Versuch verzichtet habe), holen wir dies in Port Elizabeth auf der Insel Bequia (sprich: Backway) nach. Etwas überrascht sind wir über die zu zahlende Summe. Fünfmal so viel als in St. Lucia sind dort fällig geworden. Ansonsten eine tolle Stadt, in der man noch ein paar Einkäufe erledigen kann. Und es gibt die Möglichkeit, die zur Neige gehenden Wasservorräte aufzufüllen. Dazu lassen wir Mirandas grünes Boot längsseits gehen. Sie könnte auch Wäsche waschen und am nächsten Tag wieder vorbeibringen, falls dies nötig ist. Günstig ist der Spaß allerdings nicht, das Auffüllen der Wasserreserven verschlingt mehr als 100 us-Dollar.

An Land in einer Bar muss ich feststellen, dass niemand außer mir das rote Armband trägt, sondern mit gelben wristbands ausgestattet sind. Dem muss ich auf den Grund gehen. Unmissverständlich, aber freundlich wird mir klar gemacht, dass ich das Armband der falschen Partei zur Präsidentenwahl trage. In kürzester Zeit ist das rote Band in meiner Tasche verschwunden und ich trage ein gelbes. Natürlich lasse ich mir die Hintergründe erklären. Das gelbe Armband signalisiert die Zugehörigkeit zur New Democratic Party (NDP). Und warum man auf den Inseln eher das gelbe trägt? Die alte Regierung hat sich anscheinend vorwiegend um die Hauptinsel St. Vincent gekümmert und die Grenadinen nicht entsprechend unterstützt. Dies war anscheinend ein Fehler. Nach zwei Tagen stand fest, dass die NDP gewonnen und der künftige Präsident Godwin Friday ist. Wo immer ich mit meinem gelben Armband auftauche: Ein strahlendes Lächeln ist mir gewiss.

Der Weg führt nun zu der Insel Mayreau, die dem Klischee karibischer Inseln gerecht wird. Wir machen in der Salt Whistle Bay fest. Auch hier habe ich einen unglaublich sympathischen Kontakt aufgemacht, der uns beim Anlegen an der Boje hilft. Wie üblich ist die Parkverwaltung für das Eintreiben der Gebühren zuständig und er darf uns auch keine Boje reservieren, aber wie durch Zufall ist die schönste und nahe zum Strand gelegene Boje frei. Abends gehen wir bei Jay Red Snapper essen und sind wieder einmal die einzigen Gäste. Es mutet etwas kurios an, wenn man bedenkt, dass die Insel Mayreau vom Hurricane Beryl stark zerstört wurde. Die Menschen dort wurden Ihres Hab und Gutes beraubt und brauchen unsere Unterstützung, um wieder auf die Füße zu kommen. Und mir erscheint es eine gute Möglichkeit zu sein, die lokalen Restaurantangebote zu nutzen und nicht auf dem Kat in dieser traumhaften Umgebung zu hocken.

Jay

Telefon: +1 (784) 434-1660

Die Salt Whistle Bay ist berühmt und sehr beliebt. Ein vorhergehender Kontakt mit Jay ist mehr als empfehlenswert. Auch wenn er offiziell keine Bojen reservieren darf, hat er immer einen Trick auf Lager.

Abends ein Red Snapper Menü bei ihm und der Tag könnte kaum schöner zu Ende gehen!

Empfehlenswerter Kontakt

Jay Salt Whistle Bay Grenadines
Jay Salt Whistle Bay Grenadines

Die Umgebung ist so schön, dass wir beschließen, einen weiteren Tag dort zu verbringen. Ein steiler Weg führt zu dem einzigen Dorf Old Wall. Noch immer kann man die Zerstörung an fast allen Häusern sehen, die der Hurricane angerichtet hat. Aber viele Bars haben mittlerweile wieder geöffnet, sodass wir einen karibischen Tag mit leichtem Sightseeing verbringen können.

Nicht verpassen und die Hauptattraktion der gesamten Reise sind die Tobago Cays. Ein kleiner seglerischer Abstecher an die Küste von Grenada, dann versuchen wir, Richtung Osten und unserem Ziel zu kreuzen. Auch durch die Strömung merken wir schnell, dass wir kaum eine Chance haben. Hier macht sich der fehlende Kiel eines Kats und seine schlechten Amwind-Fähigkeiten besonders deutlich bemerkbar.

Die Einfahrt zu den kleinen Inseln sieht etwas gruselig aus, man kann die Riffe und die leichte Brandung an ihnen erkennen. Aber der Wasserweg ist breit genug, sodass man sich keine Gedanken machen muss. Am Abend sind wir bei Romeos Lobster angekündigt, tatsächlich kommt Romeo, als wir uns eine Boje nahe der Insel Petit Bateau auswählen wollen. Namentlich werde ich begrüßt, wir erkennen uns aus dem Vorjahr wieder. Was ein Service und was eine Freude, Unterstützung zu erhalten. Die Strömung in den Cays ist sehr stark. Das trichtere ich den schnorchelwilligen Badegästen auch mehrfach ein, da mir im letzten Jahr ein Segelgast so stark abgetrieben ist, dass er durch ein Dinghi zurückgebracht werden musste.

Noch eine kleine Wanderung über die Insel, und schon finden wir uns am Strand wieder, um den Abend ausklingen zu lassen. Die Crew ist vom Lobster hellauf begeistert, eine absolute Empfehlung.

Tobago Cays

Romeo

Telefon: +1 (784) 531-1200

Eine einzigartige Umgebung, ein tolles Essen - das muss man einfach erlebt haben. Auf dieser Insel gibt es nur diese Möglichkeit, essen zu gehen. Und nicht nur der Lobster ist großartig zubereitet, auch die Beilagen lassen keine Wünsche offen. Reserviert rechtzeitig, um einen wundervollen Abend zu verbringen. Die Yacht kann ganz in der Nähe an einer Boje oder geeigneten Ankerplatz verholt werden.

Empfehlenswerter Kontakt

Romeo Lobster Tobago Cays
Romeo Lobster Tobago Cays

Für die Verwendung von Smartphones gibt es verschiedene Anbieter, um sowohl Daten- als auch Telefonvolumen zur Verfügung zu stellen. Oft gibt es ein- oder zweiwöchige Angebote. Etwas aufpassen muss man, ob die Angebote St. Lucia und auch St. Vincent and the Grenadines versorgen. Ich selbst habe mich auf St. Lucia durchgeschnorrt, da ich die eSim, die mein Vorskipper verwenden wollte, nicht aktiviert bekommen habe. Die eSim vom Anbieter Simovo lief in St. Vincent einwandfrei (abgesehen davon, dass ich noch einmal an den Versand des QR-Codes erinnern musste, was schnell erledigt wurde).

Wechselt etwas Bargeld in East Caribbean Dollar (XCD, sprich „i ßi“). Ein Trinkgeld für die Boat Boys sollte man immer zur Hand haben. Je weiter mehr in die Grenadinen kommt, desto wichtiger ist diese Währung. Es lässt sich auch in us-Dollar zahlen, allerdings ist der Wechselkurs Verhandlungssache. Auch mit Euro konnten wir überall zahlen, aber der Kurs ist dann nicht mehr empfehlenswert. Außerdem wirkt es eigenartig, in Euro auf einsamen Inseln unter Palmen zu bezahlen. Kartenzahlung ist nur in größeren Städten gelegentlich möglich. Auch unsere Einklarierungsgebühren habe ich per Visa-Karte zahlen können.

Der Mythos Karibik lässt einen an schneeweiße Strände denken. Und ja, in den Grenadines gibt es diese. Bis dahin sind von Martinique aus aber zwei Vulkaninseln zu passieren. Dort gibt es keine weißen Strände! Besprecht das vorher mit Eurer Crew, man weiß nie, welcher Reiseanbieter ihnen was suggeriert hat. Und denkt daran, dass die Etappen großartig für einen Segelspaß zu absolvieren sind, sollte man aber mal jemanden an Bord haben, der kein großes Interesse am Segeln und mehr am Schwimmen hat: Hier gibt es kein Inselbuchtenhopping. Den Zahn gleich ziehen. Welchem Segler oder welcher Seglerin ist es noch nicht passiert: Maulige Gäste, die nur auf die nächste Badegelegenheit warten. Falsch gebucht!

Bereitet Euch gut auf das Ein- und Ausklarieren vor. Einiges kann man bereits von zu Hause erledigen. Das Abtippen von Reisepass-Nummern kann sehr viel Zeit verschlingen. Zum Glück ist es in St. Lucia nicht mehr so wie in 2024 versucht: Eine kaum funktionale Website wollte, dass man die Passfotos noch einmal abfotografiert und hochlädt. Wenn dies scheitert, noch mal komplett von vorn anfangen. Wie schön, dass man jetzt wieder im customers office bedient wird!

Macht deutlich, dass das Wasser auf einer Yacht nicht wie zu Hause unendlich zur Verfügung steht. Man muss nicht 3x am Tag duschen. Wasser ist ein kostbares Gut und ist auf den kleinen Antillen nicht ohne weiteres unterwegs zu ergattern. Teuer ist es obendrein.

Hilfreiche Tipps